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Priorisierung
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Man spielt einfach den Zug, den man zuerst gesehen hat. Diese Methode basiert sehr stark auf Mustererkennung, Erfahrung und Intuition.
Wenn der Zug keine Mängel aufweist, so wird er gespielt. Nur wenn Nachteile sichtbar sind oder die Erwartungen nicht erfüllt werden, sucht man
nach einem besseren Kandidaten. So spielt man wohl einen guten Zug, womöglich aber nicht den Besten.
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Viele erfahrene Spieler verwenden Priorisierung nicht nur im Blitzspiel (wo die Methode vorherrscht), sondern selbst dann wenn sie noch sehr viel Zeit
auf der Uhr haben. Sie vertrauen sehr stark auf Ihre Erfahrung und ihr angesammeltes, unbewusstes Wissen.
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Mir ist es ein paar mal passiert, dass ich den besten Zug zuerst gesehen habe. Aufgrund falscher und fehlerhafter "Analysen" habe ich dann einen
schlechteren Zug gespielt. Deshalb wähle ich heute oft den ersten Zug, wenn ich nicht klar zwischen den Kandidaten unterscheiden kann.
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Eine bekannte Kombination von V. Kramnik basiert ausschliesslich auf der Methode der Priorisierung:
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Beispielpartie »Kramnik - Kasparov, Zürich 2001
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Die Schwäche der Priorisierung ist, dass zu wenige Züge angeschaut werden. Oder nach Lasker: Wenn ein guter Zug gefunden ist,
soll man doch nach einem noch besseren Ausschau halten.
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Denken wie Kotov
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In seinem bekannten Buch "Denke wie ein Grossmeister" erkennt Kotov die chaotischen Denkmuster von Soviet-Schachschülern.
Um Abhilfe zu schaffen, schlägt er eine sehr restriktive Vorgehensweise vor, ähnlich einem Schach-Automat
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Zuerst werden alle Kandidatenzüge bestimmt.
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Die Kandidaten werden einzeln hintereinander "abanalysiert".
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Jeder Ast im Variantenbaum wird genau 1x durchgerechnet.
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Zum Schluss wählt man den besten Zug
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In einfachen Stellungen führt diese Vorgehensweise zu ähnlichen Resultaten wie die Priorisierung. Unterschiede ergeben
sich hauptsächlich in Positionen, in welchen kein Kandidat einfach als der Beste zu bestimmen ist.
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Beispielpartie »Gulko - Olafsson, Reykjavik 1996
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Denken wie Kotov ist anstrengend und ermüdend und man läuft Gefahr, beim dritten oder vierten Kandidaten oder in der späteren Partiephase
einfache taktische Motive zu übersehen. Diese "taktische Ermüdung" haben wir schon in vorherigen Kapiteln angesprochen. Priorisierung
hingegen spart Zeit, Nerven und Energie.
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Beispielpartie »Dvoretsky - Vaganian, Soviet Championship 1974
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Nach Soltis ist "Denken wie Kotov" nicht realistisch und wird in seiner traditionellen Art so auch nicht angewandt. Jede Analyse muss überprüft werden,
was nicht möglich ist wenn man jeden Ast genau nur 1x durchdenken darf. Ausserdem ist es auch nicht einfach zu bestimmen, welches genau die
Kandidaten sind. Wenn keiner der Kandidaten befriedigend ist, sucht man automatisch nach anderen Zügen, d.h., man bricht mit Kotov.
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In Praxis schauen sich Meister nicht mehr als 2-3 Züge an und es gibt nur wenige Situationen, wo man tiefer rechnen muss.
Ein seltenes Beispiel ist folgende Partie, in welcher Weiss 6 Kandidaten angeschaut hat:
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Beispielpartie »Grischuk - Adams, Chaldiki 2002
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Ausschlussverfahren
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Warum immer nach dem besten Zug suchen? Genügt es nicht, einfach die schlechten Züge zu verwerfen? Dann bleibt automatisch
der Beste übrig... Am Ende gewinnt dann derjenige, der am wenigsten Fehler gemacht hat...
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Ein taktisches Beispiel:
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Beispielpartie »Mena Crespo - Cantillo, Camaguey 2003
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Oder ein positionelles:
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Beispielpartie »Larsen - Miles, BBC Master Game 1978
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Neben Zügen können auch ganze Pläne mit Hilfe des Ausschlussverfahrens verworfen werden.
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Der Nachteil dieser Methode ist, dass die zu verwerfenden Züge eindeutig schlecht sein müssen. Ausserdem erfolgt der Prozess der
Elimination recht zügig. Wenn ein Zug unklar ist, kann er auch nicht schnell ausgeschlossen werden. Spielt man ihn nicht, verpasst man
evtl. den besten Zug. Aus diesem Grund sollte das Ausschlussverfahren nur sehr selektiv angewandt werden. Oder so, dass statt nur
einem vielleicht zwei Kandidatenzüge übrig bleiben, die dann à la Kotov-Rechenarbeit weiterverfolgt werden.
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Vorwärts und Zurück
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Dies ist gewissermassen die moderne Variante von "Denken wie Kotov":
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Die ersten Kandidaten werden bestimmt.
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Die Kandidaten werden analysiert.
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Die Ideen der verschiedenen Varianten bleiben im Gedächtnis haften.
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Die Kandidaten werden noch einmal durchgerechnet, nun jedoch "befruchtet" von den Ergebnissen der ersten Analyse.
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Der beste Zug wird gespielt, oder.
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entspricht kein Zug den eigenen Erwartungen, so sucht man nach weiteren Kandidatenzügen. Dann beginnt man nochmals von Vorne.
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Beispielpartie »Seirawan - Timman, Hilversum (5) Match, 1990
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Beispielpartie »Beljavsky - Iwantschuk, Linares 1995
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Vorwärts und Zurück ist wohl die am häufigsten angewandte Methode, während Denken wie Kotov eher selten vorkommt.
Doch wie alle anderen hat auch diese Methode ihre Nachteile:
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Sie ermüdet und es passiert, dass man die Partie durch einen groben Bock einstellt.
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Man läuft Gefahr, die Züge zu vermischen, und statt einen Baum durchzurechnen, zwischen den einzelnen Varianten hin und her zu hüpfen.
Es entsteht Verwirrung und Chaos (siehe dazu auch »Buridans Esell).
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Manchmal vergisst man, welche Kandidaten man bereits berechnet hat, oder man vergisst deren Bewertung. So spielt man plötzlich einen Zug,
von dem man doch wusste dass er schlecht ist...
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Die Kombination der Methoden (Mixed Model)
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Was liegt näher als die Verschmelzung der besten Elemente in einer neuen Methode ("best of breed")? Hier kommt derjenige Ansatz zur
Anwendung, der in der spezifischen Situation angebracht ist.Es ist sogar möglich, alle Methoden bei der Bewertung von nur einem Zug anzuwenden:
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Man merkt sich den Zug, den man zuerst gesehen hat (Priorisierung).
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Dann bestimmt man weitere Kandidaten (Denken wie Kotov).
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Einige der Kandidaten kann man eliminieren (Ausschlussverfahren).
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Die verbliebenen Kandidaten werden analysiert (Vorwärts und Zurück Strategie).
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Ist der priorisierte Zug unter den verbliebenen Kandidaten, so wird er bevorzugt behandelt.
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Ist ein Zug der Beste, so spielt man ihn.
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Was zu tun ist, wenn verschiedene Züge gleichwertig scheinen, davon handeln die nachfolgenden Kapitel.den:
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