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Die vier Denkmodelle
Welche Denkmethoden existieren, um einen Zug auszuwählen und zu bewerten? Man unterscheidet zwischen Priorisierung, Denken wie Kotov, Vorwärts und Zurück sowie Zugermittlung mittels Ausschlussverfahren. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Je nach Position und Spielart kommt eine andere Methode zum Einsatz.
Ein intuitiver Zug ist erstmal nicht berechnet, sein Horizont reicht nur einen Halbzug weit. Der Zug muss durch Analyse abgestützt werden. Auch ein planmässiger Zug reicht nur einen Halbzug weit, die Rechenreihe wurde ja schon vorher gesehen.
[Priorisierung] [Denken wie Kotov] [Ausschluss] [Vorwärts-Rückwärts] [Mixed Model] []
Priorisierung
Man spielt einfach den Zug, den man zuerst gesehen hat. Diese Methode basiert sehr stark auf Mustererkennung, Erfahrung und Intuition. Wenn der Zug keine Mängel aufweist, so wird er gespielt. Nur wenn Nachteile sichtbar sind oder die Erwartungen nicht erfüllt werden, sucht man nach einem besseren Kandidaten. So spielt man wohl einen guten Zug, womöglich aber nicht den Besten.
Viele erfahrene Spieler verwenden Priorisierung nicht nur im Blitzspiel (wo die Methode vorherrscht), sondern selbst dann wenn sie noch sehr viel Zeit auf der Uhr haben. Sie vertrauen sehr stark auf Ihre Erfahrung und ihr angesammeltes, unbewusstes Wissen.
Mir ist es ein paar mal passiert, dass ich den besten Zug zuerst gesehen habe. Aufgrund falscher und fehlerhafter "Analysen" habe ich dann einen schlechteren Zug gespielt. Deshalb wähle ich heute oft den ersten Zug, wenn ich nicht klar zwischen den Kandidaten unterscheiden kann.
Eine bekannte Kombination von V. Kramnik basiert ausschliesslich auf der Methode der Priorisierung:
Beispielpartie »Kramnik - Kasparov, Zürich 2001
Die Schwäche der Priorisierung ist, dass zu wenige Züge angeschaut werden. Oder nach Lasker: Wenn ein guter Zug gefunden ist, soll man doch nach einem noch besseren Ausschau halten.
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Denken wie Kotov
In seinem bekannten Buch "Denke wie ein Grossmeister" erkennt Kotov die chaotischen Denkmuster von Soviet-Schachschülern. Um Abhilfe zu schaffen, schlägt er eine sehr restriktive Vorgehensweise vor, ähnlich einem Schach-Automat
Zuerst werden alle Kandidatenzüge bestimmt.
Die Kandidaten werden einzeln hintereinander "abanalysiert".
Jeder Ast im Variantenbaum wird genau 1x durchgerechnet.
Zum Schluss wählt man den besten Zug
In einfachen Stellungen führt diese Vorgehensweise zu ähnlichen Resultaten wie die Priorisierung. Unterschiede ergeben sich hauptsächlich in Positionen, in welchen kein Kandidat einfach als der Beste zu bestimmen ist.
Beispielpartie »Gulko - Olafsson, Reykjavik 1996
Denken wie Kotov ist anstrengend und ermüdend und man läuft Gefahr, beim dritten oder vierten Kandidaten oder in der späteren Partiephase einfache taktische Motive zu übersehen. Diese "taktische Ermüdung" haben wir schon in vorherigen Kapiteln angesprochen. Priorisierung hingegen spart Zeit, Nerven und Energie.
Beispielpartie »Dvoretsky - Vaganian, Soviet Championship 1974
Nach Soltis ist "Denken wie Kotov" nicht realistisch und wird in seiner traditionellen Art so auch nicht angewandt. Jede Analyse muss überprüft werden, was nicht möglich ist wenn man jeden Ast genau nur 1x durchdenken darf. Ausserdem ist es auch nicht einfach zu bestimmen, welches genau die Kandidaten sind. Wenn keiner der Kandidaten befriedigend ist, sucht man automatisch nach anderen Zügen, d.h., man bricht mit Kotov.
In Praxis schauen sich Meister nicht mehr als 2-3 Züge an und es gibt nur wenige Situationen, wo man tiefer rechnen muss. Ein seltenes Beispiel ist folgende Partie, in welcher Weiss 6 Kandidaten angeschaut hat:
Beispielpartie »Grischuk - Adams, Chaldiki 2002
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Ausschlussverfahren
Warum immer nach dem besten Zug suchen? Genügt es nicht, einfach die schlechten Züge zu verwerfen? Dann bleibt automatisch der Beste übrig... Am Ende gewinnt dann derjenige, der am wenigsten Fehler gemacht hat...
Ein taktisches Beispiel:
Beispielpartie »Mena Crespo - Cantillo, Camaguey 2003
Oder ein positionelles:
Beispielpartie »Larsen - Miles, BBC Master Game 1978
Neben Zügen können auch ganze Pläne mit Hilfe des Ausschlussverfahrens verworfen werden.
Der Nachteil dieser Methode ist, dass die zu verwerfenden Züge eindeutig schlecht sein müssen. Ausserdem erfolgt der Prozess der Elimination recht zügig. Wenn ein Zug unklar ist, kann er auch nicht schnell ausgeschlossen werden. Spielt man ihn nicht, verpasst man evtl. den besten Zug. Aus diesem Grund sollte das Ausschlussverfahren nur sehr selektiv angewandt werden. Oder so, dass statt nur einem vielleicht zwei Kandidatenzüge übrig bleiben, die dann la Kotov-Rechenarbeit weiterverfolgt werden.
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Vorwärts und Zurück
Dies ist gewissermassen die moderne Variante von "Denken wie Kotov":
Die ersten Kandidaten werden bestimmt.
Die Kandidaten werden analysiert.
Die Ideen der verschiedenen Varianten bleiben im Gedächtnis haften.
Die Kandidaten werden noch einmal durchgerechnet, nun jedoch "befruchtet" von den Ergebnissen der ersten Analyse.
Der beste Zug wird gespielt, oder.
entspricht kein Zug den eigenen Erwartungen, so sucht man nach weiteren Kandidatenzügen. Dann beginnt man nochmals von Vorne.
Beispielpartie »Seirawan - Timman, Hilversum (5) Match, 1990
Beispielpartie »Beljavsky - Iwantschuk, Linares 1995
Vorwärts und Zurück ist wohl die am häufigsten angewandte Methode, während Denken wie Kotov eher selten vorkommt. Doch wie alle anderen hat auch diese Methode ihre Nachteile:
Sie ermüdet und es passiert, dass man die Partie durch einen groben Bock einstellt.
Man läuft Gefahr, die Züge zu vermischen, und statt einen Baum durchzurechnen, zwischen den einzelnen Varianten hin und her zu hüpfen. Es entsteht Verwirrung und Chaos (siehe dazu auch »Buridans Esell).
Manchmal vergisst man, welche Kandidaten man bereits berechnet hat, oder man vergisst deren Bewertung. So spielt man plötzlich einen Zug, von dem man doch wusste dass er schlecht ist...
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Die Kombination der Methoden (Mixed Model)
Was liegt näher als die Verschmelzung der besten Elemente in einer neuen Methode ("best of breed")? Hier kommt derjenige Ansatz zur Anwendung, der in der spezifischen Situation angebracht ist.Es ist sogar möglich, alle Methoden bei der Bewertung von nur einem Zug anzuwenden:
Man merkt sich den Zug, den man zuerst gesehen hat (Priorisierung).
Dann bestimmt man weitere Kandidaten (Denken wie Kotov).
Einige der Kandidaten kann man eliminieren (Ausschlussverfahren).
Die verbliebenen Kandidaten werden analysiert (Vorwärts und Zurück Strategie).
Ist der priorisierte Zug unter den verbliebenen Kandidaten, so wird er bevorzugt behandelt.
Ist ein Zug der Beste, so spielt man ihn.
Was zu tun ist, wenn verschiedene Züge gleichwertig scheinen, davon handeln die nachfolgenden Kapitel.den:
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